26.10.2018

Mit dem "Dino Flow" um die Welt - der etwas andere Testbericht

Text und Bilder von Martin Ruggle

 

Als ich im Mai 2016 den Fahrradladen bei mir um die Ecke aufsuchte, standen Dinge auf der Einkaufsliste wie z.B. kurze Regenhose für tropische Verhältnisse, unplattbare Reifen oder Flaschenhalter für 1.5lt PET-Flaschen, damit ich in der Wüste nicht verdursten werde. Die Liste beinhaltete viele Artikel, welche man für eine normale Radtour eigentlich nicht mitschleppt, aber das liegt daran, dass ich damals auch keine normale Radtour geplant habe.

Die geplante Tour sollte mich einmal um die Welt bringen - von Europa nach Asien und weiter nach Nordamerika von wo aus es runter bis zum südlichsten Zipfel von Südamerika geht um dann schlussendlich von Buenos Aires zurück nach Europa zu kommen. Die Artikel auf der Einkaufsliste waren alle sorgfältig geplant, dennoch fehlte darauf der Artikel welcher sich als mein absolutes Lieblingsstück herausstellen wird: Das Trikot “Dino Flow” von Fanfiluca.
Es war ein glücklicher Zufall und eine gute Beratung des Fahrradladens, welches dafür sorgte. dass das Dino Flow trotzdem noch in den Packtaschen landete. Der dünne Stoff fühlte sich von Anhieb gut auf der Haut an. Ja eigentlich fühlte man den Stoff gar nicht, so dünn und luftdurchlässig ist er. Als das “perfekte Trikot für die heisse und trockene Wüsten im Mittleren Osten” wurde mir das Dino Flow schmackhaft gemacht, doch es wird sich als weitaus perfekter fürs Radreisen herausstellen. Das Dino Flow landete mit vielen weiteren Artikeln in der Einkaufstüte und somit war unsere gemeinsame Reise besiegelt.

Türkei, Juli 2016
Ich bin nun seit knapp 2 Monaten in Richtung Osten unterwegs. Nach den grünen saftigen Hügeln Europas und der Donau als mehrwöchigen “Reisepartner”, habe ich vor wenigen Wochen die Türkei erreicht. Nach einem in Istanbul durchgestandenen Putschversuch des Militärs, floh ich per Schiff auf die asiatische Seite des Landes und landete nach wenigen Kilometern in einem neuen Klima - der Wüste. Das Dino Flow hat bisher mehrheitlich nur das Innere der Packtaschen gesehen, da der dünne und luftdurchlässige Stoff im kalt-feuchten europäischen Klima doch oft etwas zu kühl dafür war. Doch jetzt hat die Stunde des Dino Flow geschlagen und es beweist seine Stärken in dem heissen Wüstenklima bereits auf den ersten Kilometern. Obwohl hier Temperaturen von weit über 40 Grad herrschen, fühlt es sich Dank dem trockenen Klima aber vor allem Dank der hohen Luftdurchlässigkeit des Trikots eher wie 25 Grad an. Ich bin begeistert von dem Dino Flow und es folgt ein Dauereinsatz.
Somit wird das Trikot fast täglich gewaschen und ausgewrungen, was aber aufgrund des guten Materials und der guten Verarbeitung kein Problem für das Trikot darstellt. Mit dem leuchtend grünen Dino fahre ich so hunderte von Kilometern durch die karge türkische Landschaft weiter in Richtung Osten über die Grenze in den Iran und runter nach Süden bis der persische Golf das Ende der Wüste markiert.


Laos, März 2017
Was für chaotische und abwechslungsreiche Monaten das waren seit dem Erreichen des persischen Golfs. Zuerst ging es per Schiff nach Dubai und von dort aus per Flieger nach Indien. Der Halbkontinent überfordert manchmal den Reisegeist mit seinen vielen Eindrücken Kulturen und Düften. Somit war ich froh eine ewige Konstante zu haben... das Dino Flow welches schweissgetränkt an meinen Körper klebte. Das tropische Klima ist so ziemlich das schlimmste was man auf einer Radreise haben kann, jedoch führt kein Weg bei einer Weltumrundung daran vorbei. Schnell merkte ich, dass das Dino Flow das einzigste Kleidungsstück in meinen Packtaschen ist, welches selbst dann noch Luft durchlässt, auch wenn es komplett durchnässt ist. So blieb das Dino Flow nach dem Dauereinsatz in den Wüsten der Türkei und dem Iran auch in den tropischen Ländern im Dauereinsatz. Das grüne Shirt wurde sogar mittlerweile sowas wie ein Markenzeichen meiner Reise, sieht man es doch auf den meisten Fotos und Videos.

Nach Indien ging es weiter nach Südostasien, von wo aus ich in einem grossen Kreis über die Länder Thailand, Kambodscha, Vietnam, Laos, Myanmar nach Malaysien fahren möchte. Der ständige Begleiter in diesen Ländern ist das tropische Klima und somit, ihr ahnt es, bleibt das Dino Flow jeden Tag schweissdurchnässt an meinem Körper kleben. Abends geht es jeweils zum Schlafen in die glitzernden mit gold verzierten Tempeln, wo es immer eine Waschstelle für die Kleider gibt. Ich befinde mich in Laos in genau so einem Tempel und zusammen mit den Mönchen waschen wir unsere Kleider per Hand. Das Dino Flow kommt zum Trocknen über die Wäscheleine, wo bereits dutzende orange Kutten der Mönche hängen. Obwohl es bereits Dunkel ist und die Luftfeuchtigkeit beinahe 100% beträgt weiss ich, dass mein Dino Flow bereits früh am nächsten Morgen trocken sein wird. So früh, dass eine Abfahrt vor Sonnenaufgang möglich sein wird. Die orangen Kutten daneben werden aber wohl noch einen Tag länger zum Trocknen benötigen.


USA, August 2017
Nach einem Jahr in Asien endlich zurück im Westen! Ich bin hier irgendwo im Nirgendwo in der tiefsten Wüste Nevadas. Hinter mir liegen bereits ein paar Hundert Kilometer auf dem amerikanischen Kontinent. Kilometer welche mich durch die schneebedeckten Berge Kanadas und entlang der  nebelverhangene Westküste der USA führten. Von San Francisco aus ging es über die Sierra Nevada zurück in die Wüste. Nach über 20’000 gefahrenen Kilometern und allen möglichen klimatischen Verhältnissen, weiss ich nun, dass die Wüste mein absoluter Lieblingsort fürs Radfahren ist. Obwohl es sehr heiss ist, es hier absolut gar nichts zu sehen gibt und die ewige Wasserknappheit das Leben erschwert, macht es an diesen trockenen Orten doch am meisten Spass. Denn die Wüsten sind perfekte Orte um einfach mal abzuschalten und die Abgeschiedenheit zu geniessen. Mit Musik in den Ohren den endlos scheinenden Strassen zu folgen ist ein bisschen wie Meditation, welche durch keine Kurven, Anstiege oder Ampeln unterbrochen wird. Abends wird man dann mit einem unbeschreiblich schönen Sonnenuntergang belohnt und noch ein bisschen später kann man die Milchstrasse in einem perfekten Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung bewundern. Und das Beste... es gibt keine blutrünstige Moskitos hier!


Die Entscheidung die Westküste hinter mir zu lassen und die Bergkette “Sierra Nevada” zu überwinden um in den staubtrockenen Bundesstaat Nevada zu kommen hat sicherlich auch mit den oben genannten Gründen zu tun, in erster Linie wohl aber eher aufgrund des wahrscheinlich verrücktesten Festivals der Welt, dem Burning Man. Hier mitten in der Wüste kommen jeweils für eine Woche im Jahr knapp 70’000 Menschen zusammen um eine Stadt zu kreieren, welche vor Kunst, Spass und Farben zu explodieren scheint. Die nächste Stadt liegt über 150 Kilometer entfernt und so finde ich mich auf einer kleinen Strasse wieder, welche schnurgerade durch den Sand in Richtung Norden führt. Nach einer knapp 2-tägigen Fahrt erreiche ich das Festivalgelände welches sich in einem ausgetrockneten See befindet.
Sandstürme gehören hier zum Alltag und mit genau einem solchen werde ich auch begrüsst. Der Sand ist fein wie Puderzucker und mein Dino Flow ist absolut machtlos gegen diese Naturgewalt. Innert Kürze bildet sich eine Staubschicht zwischen meiner Haut und dem Trikot. Als ich endlich meine Freunde in dem Sandsturm finde, bin ich froh aus den verstaubten Klamotten rauszukommen. Allerdings bin ich dabei wohl etwas zu motiviert, denn ein lautes Geräusch beim Ausziehen des Dino Flow verheisst nichts gutes. Der bereits sehr dünne Stoff wurde durch den Dauergebrauch, das viele Waschen und nicht zuletzt durch die Sonne so hauchdünn, dass nun bereits eine falsche Bewegung den Stoff zum reissen bringt.
Ich versuche mit Nadel und Faden zu reparieren was eigentlich bereits unmöglich ist. Aber ich kann mich einfach nicht von meinem Dino trennen! Das Trikot wurde über die Monate weit mehr als nur ein Bekleidungsstück. Es wurde ein Merkmal von mir, ein Markenzeichen der kompletten Reise und mein bester “Reisepartner”. Das Dino Flow und ich gehören einfach zusammen, so wie auch mein Fahrrad “Chocolate” und ich untrennbar sind. Das Festival schafft es zwar mich auf andere Gedanken zu bringen, dennoch weiss ich nun, dass die Tage mit dem Dino Flow gezählt sind.


Costa Rica, Mai 2018
Ja, eigentlich sollte das Dino Flow schon längst in seinem wohlverdienten Ruhestand sein. Denn auf das eine Loch am Burning Man folgten unzählige weitere. Aber das Problem wenn man von den USA in Richtung Süden fährt ist folgendes: es wird einfach immer wärmer. Nach dem passieren der mexikanischen Grenze ging es über die Halbinsel Baja California direkt in die Tropen. Dank den hohen Bergen auf dem Festland konnte ich mich der Hitze noch relativ gut entziehen, und das Dino Flow blieb so für längere Zeit in den Packtaschen. Jedoch war damit spätestens in Guatemala Schluss. Von den hohen Vulkanen und Bergseen führte der Panamericana Highway runter in die schwül heisse Luft. Bei Temperaturen von fast 50 Grad war die absolute Schmerzgrenze für das in Mexiko gekaufte Ersatztrikot erreicht. Das Material kann bei Nässe einfach nicht die Luftdurchlässigkeit des Dino Flow erreichen und so staut sich die Hitze bis man fast kollabiert. Also musste das Dino Flow seinen Ruhestand wieder beenden und mir helfen die Hitze bis zu den Bergen Kolumbiens zu durchstehen. Der Rückenteil des Trikots ist bereits so durchlöchert und verrissen, dass es aussieht als hätte ich einen schlimmen Unfall gehabt und Abends kann ich im Spiegel den Sonnenbrand betrachten, welcher sich bei den Löchern gebildet hat. Aber es nützt nichts, das Dino Flow muss noch etwas länger durchstehen und so sorgfältig es geht ziehe ich es jeweils an und aus. Dennoch bilden sich weitere Löcher und ich glaube wir beide zählen die Tage bis zu den Bergen und Kilometer in Kolumbien. Bald ist es so weit, denn es müssen nur noch zwei Grenzen überquert werden!


Kolumbien, Juni 2018
Kühle Bergluft umgibt mich und zum ersten Mal seit fast 2 Monaten ist ein Shirt alleine zu wenig um nicht zu frieren. Das Dino Flow ist wieder in den Packtaschen und wird nun ganz sicher nicht mehr zum Einsatz kommen. Der Rückenteil ist so verrissen und durchlöchert, dass mich die Leute in Panama bereits komisch angeschaut haben. Aber die Strecke vor mir ist auch ohne Hilfe meines Dino Flows machtbar, bleibt die Strasse doch mehrheitlich in den Bergen.


Für meinen Dino ist die Reise zu Ende, jedoch nur als Kleidungsstück und nicht als Reisepartner. Denn obwohl die Anden mit ihren unzähligen Höhenmetern mir das Leben erschweren möchten und somit jedes Gramm in den Packtaschen zählt, bleibt mein Dino Flow bei mir bis wir wieder zurück in Europa sind. Dieses Trikot hat einen Platz zuhause an der “Wall of Fame” verdient, denn noch nie habe ich ein Kleidungsstück gehabt, welches so viele Abenteuer und Strapazen mit mir durchgestanden hat. Drei Kontinente und 36’000 Kilometer liegen hinter uns - und jeder der das Shirt ansieht kann das Abenteuer dahinter erahnen. Das Dino Flow von Fanfiluca war zwar damals im Mai 2016 nur ein Zusatzkauf, stellte sich aber schlussendlich als eine riesige Hilfe heraus um überhaupt so weit zu kommen!


Infos zur Reise:
Als Martin Ruggle im Mai 2016 auf sein Fahrrad “Chocolate” stieg, wusste wohl niemand was auf die ersten Tritten in die Pedalen noch so alles folgen sollte. Mit exotischen Zielen wie Mumbai, Bangkok oder Kuala Lumpur war nur die Fahrtrichtung klar, was aber dazwischen noch alles passieren sollte ist Stoff für eine Abenteuergeschichte. Knapp 2.5 Jahre und 36’000 Kilometern später befindet sich Ruggle zurzeit in Südamerika auf dem Weg zum südlichsten Punkt der Welt, Ushuaia. Auf seinem Blog www.imout.ch berichtet er fortlaufend über das Erlebte in Form von Stories, Bilder und Videos.


Fanfiluca darf anmerken, dass selbstverständlich Ersatz zu Martin unterwegs ist...!