05.06.2018

Bikepacking Slowenien

Ein Reisebericht von Christl und Philippe

Ich fahre zusammen mit Philippe die nächsten 10 Tage eine 500 Kilometer lange Runde durch Slowenien. Durch die Julischen Alpen, das Soca-Tal, das Küstenland bei Nova Gorica, Ljubliana, am See von Bled vorbei und zurück in die Julischen Alpen sammeln wir fast 10 000 Höhenmeter. 70% der Route verläuft auf unbefestigten Straßen, wie Forstwegen oder Waldpfaden.

Wir starten in Kranjska Gora, einer Gemeinde im äußersten Nordwesten von Slowenien, folgen dem Bach Pišnica und fahren in den Triglav Nationalpark ein, der in den Julischen Alpen liegt. Unser höchst gelegenes Ziel für heute ist der Vršicpass. Am Anfang ist der Weg in den Kurven gepflastert, dann geht es ca. 20 Kehren 1200 Höhenmeter auf grasigen Wegen durch Lärchenwälder empor. In langen Tentakeln hängen die braunen Langtriebe lässig nach unten, dicht besetzt mit hellgrünen Sträußchen. Während andere Nadelhölzer Schrammen auf der Haut beim Vorbeifahren hinterlassen, streicheln die Lärchenäste meine Unterarme.

Wir verbringen die Nacht direkt an der Soca und folgen dem Fluss am nächsten Tag bis nach Bovec.
Unsere Route entlang der Soca führt meist auf nicht asphaltierten Wegen stetig bergab. Manchmal wechseln wir über Brücken die Flussseite und rollen auf der Straße weiter. Die Soca hat ihre Quelle am Fuße des Berges Travnik, also unweit des Vršicpasses, wo wir herkommen. Sie zerschneidet mit ihrem 10°C kalten Wasser das Karstgestein. An manchen Stellen weitet sich das Flussbett und wir schauen in tiefe Gumpen mit Wasser, die so blau sind wie mein fanfiluca Trikot "Symphony" . In Bovec verlassen wir den Fluss und folgen einer alten Militärstraße aus der Zeit des Ersten Weltkrieges gen Süden.
Mit jedem Kilometer verlieren wir an Höhe und nähern uns der slowenisch-italienischen Grenze. Die Dörfer sind ausgestorben und nur selten können wir während dieser Etappe zur Begrüßung ein „Dober dan“ loswerden.

Wir erreichen die slowenischen Weinanbaugebiete im Adria-Küstenland. Die Hänge sind so steil, dass wir befürchten, die Traktoren purzeln rückwärts herunter. Bald schon sehen wir, dass sie auf Terrassen fahren. Auf den rissigen Boden der Terrasse eines Weinhanges stellen wir unser Zelt auf und hören den Zikaden beim Zirpen zu. Am Morgen ziehen wir wieder unsere tollen Radklamotten an und es gibt Frühstück.

Bestens auf unseren Abstecher nach Italien ist Philippe mit seinem fanfiluca Trikot "Flick Flagg" in Italienischen Nationalfarben ausgerüstet und so passieren wir die italienische Region Udine. Ab Nova Gorica fahren wir wieder entlang der slowenischen Grenze. Slowenien ist 2007 dem Schengen-Abkommen beigetreten und wir können die Staatsgrenze Slowenien-Italien an jeder Stelle ohne Grenzkontrollen überschreiten. Nach Postojna wechseln wir unsere Reise-Richtung in Nordost und erfreuen uns an 1000 Höhenmetern Aufstieg in Richtung Sloweniens Hauptstadt. Endlich wird es wieder hügeliger und wir finden natürliche Quellen zum Auffüllen unserer Trinkflaschen.
Auf Fahrradwegen verlassen wir Ljubljana und kommen an Bauerndörfern vorbei. Holprige Wege mit armdicken Wurzeln kann ich gerade noch fahren, ohne absteigen zu müssen. Wir erreichen Bled und kommen direkt am See an. Die Wasseroberfläche des Sees ist spiegelglatt und wird nur ab und zu durch einen springenden Fisch gestört. Von Bled folgen wir der Straße nach Mojstrana und biegen auf einen Forstweg ab, der uns zum höchsten Punkt der Tour auf über 1800 Meter bringen wird. Wir sind wieder im Triglav Nationalpark und in wenigen Kilometern an unserem Ausgangspunkt in Kranjska Gora angelangt.

Text: Christiane Radies

Fotografie: Philippe Steinmayr