Auf Asphalttrails durch Gran Canaria

Ein Bericht von unseren Trailscouts Silvia und Wolfgang

Nach einer verregneten Radsaison waren wir dieses Jahr stark im „Unterbike“, dem kleinen, fiesen  Bruder vom Unterzucker. Was lag da also näher, als den Weihnachtsurlaub beim Biken zu verbringen? Doch wohin? Bike & Beach auf Bali? Helibiking in Hawaii? Singletrailsufen in Südafrika?
Nee, alles viel zu kompliziert. Gleich am Südausläufer des Gardasees gelegen, dem Atlantik und einen Katzensprung entfernt, liegen da nicht sommerliche und biketaugliche Inseln? Ja genau, die Kanaren!
La Palma und Teneriffa kennen wir schon. Doch wo kann man noch unserem Lieblingssport nachgehen? Auf Gran Canaria (GC), einem Asphalttrailparadies in dem auch Profibiker wie Gunn-Rita Dahle und Alban Lakata ihre Trainigsrunden abspulen und Sonne tanken.
Flugs buchten wir Flug und Appartement und schon gings los. Statt die Bikes im Flieger mitzunehmen holten wir uns von Free Motion (www.free-motion.net) tolle Straßenmaschinen. Irgendwie müssen die wohl geahnt haben, dass wir Mountainbiker sind, denn unsere Rennräder hatten Scheibenbremsen, Federgabel und Reifen mit Profil, fast so breit wie an einem Mountainbike … .
Wir nisteten uns an der Costa Canaria ein, 15 Meter über dem Wasser, nur durch das Terrassengeländer vom Atlantik getrennt und wenige Kilometer vom Hauptort Playa del Ingles entfernt. Dort treffen sich Jung und Alt, sportliche und nicht sportliche, Familien und Singles, Pauschalurlauber und Individualtouristen in den zahlreichen Strandcafes, Bars und Restaurants. Fürs Radeln und das Nachtleben ist das ein sehr guter Standort, der nicht zuletzt wegen der aus der Sahara angewehten und sehr eindrucksvollen Sanddünen weltbekannt ist. Mehr Ruhe findet man in den umliegenden Orten. Wer tolle Badebuchten sucht wird weiter westlich fündig, z.B. in Puerto de Mogan, einem Ort den wir uns per Bike & Boat erradelt haben.

Statt knackigen und technischen Sandtrails standen diesmal aussichtsreiche und sonnige Asphalt-Trails auf dem Programm. Schöne Strecken entlang des Meers und ins bergige Hinterland gibt es jede Menge. Diese kann man entweder mit örtlichen Anbietern geführt, oder auf eigene Faust erkunden. Abseits der Hauptverbindungsstrecken sind die Straßen wenig befahren und die Autofahrer stets rücksichtsvoll. Mittags findet sich meist irgendwo ein Cafe, in dem es einheimische Tapas, selbstgebackenen Kuchen und einen Cafè con leche gibt.
Bei der Routenwahl mussten wir allerdings etwas Lehrgeld bezahlen. Die 15 km entlang des Meers vor dem ersten Berg sahen nach entspanntem Einrollen aus. Doch der starke Wind entlang der Küste, der zeitweise bis zu 40km/h Stunde erreicht, machte schnell eine Tortur aus unserer Tour nach Santa Lucia. Wie froh waren wir, als wir endlich den windgeschützten Anstieg erreichten. Doch schon am nächsten Tag waren wir bei der Tourenplanung schlauer und nutzten den Wind um uns von hinten antreiben zu lassen und in der Ebene entspannt mit 45 km/h zu rollen. Und das trotz Anhänger. Dieser wiederum ist in den Bergaufpassagen ein optimales Trainingsgewicht … .
Unsere Lieblingstour „San Bartolome“, die ins bergige Hinterland zu den malerischen Orten San Bartolome und Santa Lucia ansteigt, dann aussichts- und kurvenreich zur Küste hinab führt und am Ende 20 km bei feinstem Rückenwind entlang des Meers geht, findet ihr hier als GPS Track.
Bei Tagestemperaturen um die 20°C und Sonnenschein vergessen wir rasch das trübe Winterwetter und die Zeit vergeht viel zu schnell. Die Millionenjahre alte Vulkanlandschaft lädt nicht nur zum Biken ein, sondern es gibt auch zahlreiche schöne Wanderwege. Unbedingt dazu gehört ein Spaziergang über die Sanddünen von Maspalomas. Ebenso ein Besuch in der malerischen und viel weniger touristischen Inselhauptstadt Las Palmas. Dort kann man beim Cafè con leche an der Strandpromenade stundenlang einheimischen Surfern zusehen oder beim Betrachten der Skulpturen von Henry Moore ein bisschen Kultur genießen.